Die Leute in Panauti stehen teilweise schon um 4 Uhr morgens auf, trinken heißes Wasser und etwas Salz und Ghee (nepalesische Butter) oder Zitronentee. Danach gehen sie zu den Tempeln oder Schreinen, um ihren Göttern auf speziellen Gabentellern farbige Gaben zu bringen. Das ist der Grund, warum man schon ab 4 Uhr morgens laute Glocken bimmeln hört. Sie gehören zu den Schreinen und werden jedesmal geläutet, wenn man den heiligen Bereich betritt. Ich wohne direkt neben einer besonders großen Glocke - an Schlafen ist dann nicht mehr zu denken.
Die Anwohner von Panauti bitten die Götter um den Schutz ihrer Familien und kehren mit einer roten Tika auf der Stirn, einer Markierung aus Pulverfarbe, von den Anlagen zurück. Die Frauen machen danach den Haushalt und bereiten das Essen vor. Denn schon zwischen 09:00 und 11:00 Uhr gibt es ordentlich Mittagessen: Sehr viel Reis mit Dhal, scharfer Soße und Fleisch- oder Gemüsebeilage. Es ist wunderbar würzig und lecker scharf! Ich habe die dunkle Vorahnung, dass sich durch das stark gewürzte Essen mein Körpergeruch verändern wird… (Haike, genau hier muss ich an unser letztes Gespräch denken!)
Vegetarisches Dhal Bhat
Das Dhal ist dem Indischen Dhal sehr ähnlich, jedoch viel flüssiger. Man gießt es über den Reis, vermischt es mit den Fingern … und isst mit den Fingern. Es schmeckt viel besser als mit Besteck! Anfangs eine ziemliche Sauerei ;) Aber ich habe schon immer gerne im Essen gepanscht.
Wenn der Zuckerspiegel wieder sinkt, gegen 13 Uhr, gibt es dann schwarzen Tee mit Büffelmilch und ordentlich Zucker und dazu trockenes Biskuit oder Kuchen. Die Nepalesen süßen sehr stark und mittlerweile bin ich bekannt als die „no sugar“-Frau. So etwas Seltsames haben die Nepalesen noch nicht erlebt. Jedesmal wenn ich meinen Tee ohne Zucker bestelle, guckt mich die Bedienung an, als hätte ich ein Rinderhüftsteak bestellt (die Kuh ist das heilige Nationaltier Nepals).
Gegen 15 Uhr gibt es dann die nächste Zwischenmahlzeit – entweder Momo, geschlagenen Reis, Samosa oder... die Vielfalt ist wirklich groß! Trotz aller Liebe zum Reis, ist im Herzen (und Magen) eines Nepalesen doch noch Platz für etwas Anderes.
Samosa mit scharfen Chana
Samosa mit scharfen Chana
Ein typischer Newari-Teller aus Blättern mit geschlagenem Reis. Das nenn ich mal umweltbewusste Wegwerfteller!
Und so essen die Newari auf einer Geburtstagsfeier.
Hier war ich eingeladen zum 2. Geburtstag des Sohnes eines Bekannten - interessanterweise wird der erste Geburtstag gar nicht gefeiert. Das muss wohl damit zusammenhängen, dass die Kindersterblichkeitsrate früher weitaus höher war als jetzt. Die Tradition hat aber anscheinend überdauert.
Vor dem Essen wird gerne schwarzer Tee mit Büffelmilch getrunken. Dann, zwischen 20:00 und 22:00 Uhr, wird zu Abend gegessen. Auch hier gibt es wieder Reis mit Dhal, scharfer Soße und Beilage. Man merkt sehr schnell: Hauptbestandteil des Essens ist Reis! Und der wird von den Nepalesen in immensen Mengen gegessen! Abends wird zum Dhal Bhat gerne geschnittene Gurke, Banane, Apfel und manchmal auch süßer Yoghurt gereicht.
Ist man Gast, gibt es als Vorspeise oft rosa Krabbenchips, hausgemachte Pommes, Nüsse, und und und. Der Teller wird immer so unglaublich voll geladen und wenn man sich freut, das gepackt zu haben, kommt um die Ecke schon die Hausfrau mit stolz geschwellter Brust und dem Nachschlag. Man sollte sich nicht allzu sehr wehren, um nicht unhöflich zu erscheinen. Die Köchin könnte denken, es hat nicht geschmeckt. Aber zum Glück gibt es RAKSI – den hausgemachten Reisschnaps!
Darf ich vorstellen? Meine Diätmaßnahme! Ich habe mir einen traditionellen Messingteller gekauft:
Auf diesem Prachtstück werde ich für das nepalesische Verständnis von Essen höchst abstruse Dinge zubereiten, wie: Obstsalat, Gurkensalat oder Müsli! Zweimal täglich Dhal Bhat ganz früh und ganz spät und dazwischen so viel Zucker und Frittiertes... nah.
Gegen 23 Uhr gehen die Leute aus Panauti schlafen. Nur diese barbarische Touristin aus Deutschland schaltet in den ersten zwei Tagen auch um 00 Uhr das Licht nicht aus und gammelt im Bett bis 09 Uhr! Unerhört!
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