Montag, 5. September 2011

Jam, jam!*

* Los geht's!
Vielleicht sollten meine ersten Nepali-Vokabeln "Hilfe" oder "Ich habe Durchfall" sein, aber die kann ich mir noch nicht merken:) Heute Abend geht es los und ich freue mich UNBÄNDIG! Ich habe so ein Kribbeln im Bauch wie damals als Kind vor der Abreise ins Ferienlager.

Natürlich mischt auch Angst mit: Die Angst, dass ich in einer Männerwelt lande und mich diese Männer als fremd und exotisch behandeln (statt als gleichwertige Person) - denn das isoliert und macht einsam. Die Einsamkeit ist der Wegbegleiter eines jeden Reisenden, jedoch ändert sie gerne ihr Gesicht. Man kann sich auf die 2.0-Version der Einsamkeit zwar Strategien und Rituale aneignen, aber nach kurz oder lang kann man sie nicht mehr (er)tragen. Man sehnt sich danach, von seiner Sprache, seinem sozialen festen Netz und dem Altbekannten umgeben zu sein, um darin wieder wie ein Fisch im Wasser zu schwimmen (In Polen sagt man: Wie ein Krapfen in Butter). Menschen, denen der Mut zum Reisen fehlt, sind in vielen Fällen sensible Seelen, die die eisige Kälte der Einsamkeit fürchten.

Zu meinem Glück mache ich Dinge einfach, ohne großartig darüber nachzudenken. Ich habe Gottvertrauen und genügend Selbst-Verantwortung aus den Konsequenzen meines Handelns das Beste zu tun. Auch glaube ich daran, das jede Erfahrung wertvoll ist. Ich nehme die Kälte der Einsamkeit in Kauf, zumal sie einen natürlichen Prozess anregt: Die Wärme von Innen. Mit wachsender Selbstliebe kann man immerhin einen Inkubationsraum schaffen, in dem es sich aushalten lässt. Zudem war ich bei der Planung dieser Reise auch schlauer und habe der zu erwartenden neuen Einsamkeit einen Streich gespielt: Ich werde wunderbare Kinder unterrichten und habe ein festes Arbeitsumfeld. Ha!

Schon heute ist mir klar geworden, dass 4 Monate nicht genug sein werden und ich spiele jetzt schon mit dem Gedanken, in Panauti bis April 2012 zu bleiben. Denn wenn mich das Reisen etwas gelehrt hat, dann ist es dieses seltsame Missverhältnis zwischen der Auffassungsgabe der Ratio und der Seele. Da ich nicht mit einer touristischen To-Do-Liste nach Panauti fahre, sondern mit Träumen, Illusionen und Herzenswünschen, muss ich mir mehr Zeit geben. Mir ist bewusst, dass gerade Zeit das kostbarste Luxusgut in unserer beschleunigten westlichen Welt ist und vielleicht nehme ich sie mir auch deshalb so unglaublich gerne. Irgendwie muss mann ja gegen diese verrückte Konsumgesellschaft rebellieren.

Ich packe in meinen Koffer..
Geschenke, Mitbringsel, Lernmaterialien, Kleider und gaaaaaaaaaanz viel Vorfreude:)

Bevor ich abfahre...
Ein Glas Leitungswasser. Da gibt es eine Vorrichtung, aus der trinkbares und bekömmliches Wasser in jeder Temperatur und zu jeder Tageszeit rauskommt. Ich werde nie aufhören können darüber zu staunen!

1 Kommentar:

  1. Das wird eine tolle Zeit.
    Genieße jede Sekunde.
    Auch den Durchfall.
    :D

    Carpe diem.

    Volkher

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