Gestern war mein erster Tag in Panauti und ich fühle mich bis zum Rand gefüllt mit tausend neuen Eindrücken. Als ich hier vor zwei Tagen ankam, war es schon dunkel und es hat genauso geregnet, wie ich mir einen Monsun immer vorgestellt hatte: Das Wasser floss in Bächen die Straßen und Treppen runter und schoss nur so aus den Dachrinnen heraus. Vom Flughafen in Kathmandu wurde ich von Prasant, Subesh und Sujit abgeholt und wir hatten Schwierigkeiten bei diesen Regengüssen mit dem Auto voranzukommen.
Niemals vergessen werde ich den Anblick eines Mannes, der in diesem Regenschauer mit gesenktem Kopf und komplett regungslos am Straßenrand vor seinem Fahrrad stand und in dieser Position geduldig verharrte. Wie lange er wohl so stehen geblieben ist?
Unterwegs haben wir einen Zwischenstopp gemacht und ich konnte Freundschaft mit MOMO schließen – das sind Teigtaschen, die wie Polnische Pieroggen mit Fleischfüllung schmecken, aber natürlich deutlich würziger und schärfer sind. Lecker! Leider habe ich keine Fotos davon, weil ich sie aus Versehen gelöscht habe 8)
Die nächste Freundschaft schloss ich dann mit meinem Zimmer! So klein wie fein, farbenfroh und gemütlich:)
Die Toilette ist in einem Kabuff auf dem Dach und vereint praktischerweise Stehklo und Dusche in einem. Vom Dach aus kann ich direkt auf den Marktplatz und die Schule blicken und fühle mich dabei irgendwie… glücklich. Es ist einfach schön hier:
Gestern, nach einer gediegenen Tasse schwarzen Tee mit Büffelmilch, zeigten mir Prasant, Subesh und Sujit die Schule, in der ich unterrichten werde.Wir kamen gerade rechtzeitig zum morgendlichen Appell. Die Kinder sind nach Klassen in langen Reihen aufgereiht und zum Geräusch der schlagenden Trommel marschieren sie fröhlich in ihren adretten blauen Schulkostümen in das Schulgebäude hinein. Es war für mich pure Zauberei wie diese Perlenkette an Kindern von diesem kleinen Haus verschluckt wurde. Ich musste an Marry Poppins denken, die in ihrer Reisetasche sogar Stehuhren verschwinden lassen kann.
Mein betreuender Lehrer, Rajan, schlug vor, dass wir alle Klassen einzeln besuchen. Wir sind nach und nach in jedes – winzige! – Klassenzimmer hinein, ich übte meine Namaste-Begrüßung und die Kinder sahen mich an wie einen Weihnachtsbaum. In der zweiten Klasse, die ich besuchte, hatten die Kinder plötzlich Blumenblüten in allen Farben und Formen für mich und in weiteren Klassen kamen auch noch Blumenkränze dazu. Ich war vollkommen überrascht und gerührt von diesem herzlichen Empfang! Sie waren genauso aufgeregt wie ich und ein Mädchen schämte sich sogar so sehr, dass sie ihr Gesicht auf die Tischplatte drückte und keinen Millimeter bewegte.
Wenn es nicht so viele Schüler wären, hätte ich jeden einzelnen von ihnen gedrückt!
Der Weihnachtsbaum ist geschmückt.
Das Blumenmeer, das ich geschenkt bekommen habe!
Danach war ich beim Schuldirektor zum Essen eingeladen und benutzte meine zwei neuen Wörter ziemlich inflationär:
Ramro – gut
Dhaanyabaad – Danke
Als seine Frau hörte, dass ich Yoga mag, lud sie mich dazu ein, gleich morgen früh um 5 Uhr morgens mit ihr zum Tempelbereich zu gehen, um mit ihr zusammen zu praktizieren. Da ich ziemlich unter meinem Jet-Lag litt, musste ich es verschieben; aber das lass ich mir natürlich nicht entgehen! Außerdem hat mir Subesh auch empfohlen um 7Uhr morgens an die Tempelanlagen zu gehen. Langsam bekomme ich den Eindruck, dass es hier ein geheimes Leben in den Morgenstunden gibt, das ich Banause einfach verpenne. Und spätestens um 23Uhr ist es totenstill in Panauti… alles schläft… nur eine wacht ;)



Herrlich hast du das beschrieben, da kriegt man Lust, auch hinzufahren. Ich bin schon gesprannt auf die nächsten Einträge von dir. Außerdem werde ich so auch einige Wörter Nepalesisch lernen.
AntwortenLöschenAlso bis zum nächsten Eintrag
machs gut
Danke Muratti FF, wer auch immer du bist:) solch schönes Feedback motiviert mich!
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