… eigentlich darf man das so nicht nennen: Es ist kein Ausschalten des Stroms, sondern eine wichtige Sparmaßnahme! Ja ja. Täglich wird in Nepal für einige Stunden der Strom ausgeschaltet. Je nach Strompreis, Wetter, Ziegenpreis auf dem Markt oder weiss der Kuckuck wonach es sich wirklich richtet, dauert er Power Cut kürzer oder länger. Als ich in Panauti ankam, waren es zwei Stunden, mittlerweile sind es drei. Dabei gibt es jetzt aber auch Sondertage, an denen der Stromausfall ausfällt (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen). Zum Beispiel heute wurde er um eine Stunde verkürzt, da ab morgen das große Dashain-Festival beginnt. Der Auftakt ist heute Nacht um 3 und ich auch werde dann durch Panauti laufen und Kerzen am Tempel anzünden. Dazu ein ander Mal mehr.
Doch zurück zum Stromausfall: Vor einigen Monaten dauerte er teilweise bis zu 16 Stunden am Tag!! Es ist einfach unvorstellbar. Das ganze Land wurde aus der Zivilisation in simpelste Lebensverhältnisse zurückkatapultiert.
Gaaanz tolle Stromausfallbeschäftigung: Blümchen auf Tischdecken sticken. Jetzt brauche ich nur noch einen Tisch.
Hier ein ganz wichtiger Link:
Die Stromausfall-Tabelle für Nepal. Ich bin Gruppe 7.
Die Stromausfall-Tabelle für Nepal. Ich bin Gruppe 7.
Studiert man das etwas näher, drängt sich der Gedanke auf, dass das doch eine sehr schön organisierte Schikane ist.
Es ist erstaunlich, wie man sich daran gewöhnt, zu warten. Oh, wir haben gerade Power Cut. Na, dann warten wir eben zwei Stunden, bis wir wieder was machen können. Oder: Oh, es regnet gerade in Strömen. Na, dann warten wir einfach mal so lange, bis es vorbei ist. In Panauti gibt es keine Geschäftigkeit, nur Wartende und Zeit-totschlagende Menschen.
Ich habe da so eine Meditations-CD und an einer Stelle sagt die Stimme: „Es gibt nichts zu tun. Es gibt nichts zu tun.“ Und genau daran muss ich denken, wenn ich durch Panauti laufe. Klar hat jeder seine Verantwortung, aber ohne das Große Geld gibt es keine Eile. Selbst Ladenbesitzer sitzen rum, harren die Langeweile und ihre Lebenszeit aus.
Was tun? (Für alle Lenin-Fans: Der Avantgarde des Proletariats bin ich bislang noch nicht begegnet)
Der beste Lückenfüller überhaupt: Chiya. Bestellung lange vorher ankündigen, während der Bestellung 20 min mit dem Ladenbesitzer quatschen, dann eine halbe Stunde warten, wieder mit dem Besitzer quatschen, den Chiya langsam trinken und dabei schweigend den Regen beobachten.
Was nur tun mit der ganzen Zeit?
Ich glaube, dass die Zeitdiebe aus „Momo“ die ganze gestohlene Zeit nach Nepal gebracht haben. Hier ist sie sogar sicherer aufgehoben als auf jeder Schweizer Bank!
Selbst wenn es kübelweise Kraut zu zupfen gilt - es gibt alle Zeit der Welt dafür
Sobald die weiße Frau tatenlos herumsitzt, wird sie ganz unruhig und muss sich beschäftigen
Ich habe so meine Schwierigkeiten mit der "langen Weile". Es gibt so viel für mich zu tun hier, dass ich nicht ruhig sitzen kann und ständig mit dem Kopf schon beim nächsten Schritt bin. Alle hier sind verwundert, wie beschäftigt ich bin und machen sich große Sorgen, da ich der gestressteste Mensch in Panauti zu sein scheine. Lustigerweise bin ich aber so ausgeglichen und entspannt wie schon lange nicht mehr:)
- Blaise Pascal
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