Sonntag, 30. Oktober 2011

Mero ghar ramro chha*

* Mein Haus ist schön

Wie schon angekündigt, stelle ich endlich die Bilder von meinem neuen Haus online! Es ist rustikal, traditionell und mein kleiner wahrgewordener Traum.

Bisher hatte ich im ILBS Nepal Office gelebt, jedoch hatte ich dort keine Küche zur Verfügung. Darüber hinaus hat die Gemeinde mit der Verlegung der Wasserleitung geschlampt und jede Woche musste Prasant für mich sehr umständlich Wasser in meinen Tank pumpen - von einem anderen Haus zu mir rüber.

Ich hatte also begonnen unverbindlich herumzufragen, ob denn nicht jemand eine billige Unterkunft mit Küche und Wasser hätte und - voilà! - schon wurde ich fündig. Ein wohlhabender Lehrer, der auf einer Privatschule unterrichtet, ist mit seiner Familie vor fast einem Jahr in ein neues, modernes Betonhaus gezogen. Ihr traditionell gebautes Haus (aus Lehm, Kuhdung und tausend anderen obskuren Mitteln) in der Mitte von Panauti steht seitdem leer und er sagte zu mir, dass es ihm eine Ehre ist, es mir kostenlos zu überlassen. Selbst Wasser und Strom möchte er bezahlen, aber das lass ich natürlich nicht zu.

Kurzerhand bin ich umgezogen... in mein eigenes Haus. Plötzlich war ich auch nicht mehr die weiße Frau, die in einem Büro lebt, sondern ein Teil der Gemeinschaft. Die Nachbarskinder schenkten mir Kerzendochte, damit ich morgens meine Öllampe anzünden kann und zeigten mir, wie ich meinen heiligen Stein vor dem Hauseingang richtig weihe. Seitdem habe ich die (schöne) Verpflichtung jeden Morgen vor meiner Tür zu kehren, meinen Stein mit brauner Farbe einzuschmieren, um danach rote Tika und Blütenblätter draufzustreuen. Jeden Morgen werde ich von all meinen Nachbarn beobachtet und irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie ... stolz auf mich sind. Mehr und mehr gehöre ich dazu. Jetzt muss ich nur noch Nepali lernen;)

Die Räume bedarften leider sehr viel Pflege und ich konnte noch nicht alle verschönern... Aber hier nun endlich die Fotos!

Wenn man mein Haus betritt, kommt man an den Reisvorräten der Besitzer vorbei...


...in den Hof, wo der Wasserspeicher, die Toilette und die Küche ist.


Zur Küche gehts rechts


Meine Küchenzeile
Momentan beschäftige ich mich damit, die Küche GELB zu streichen, weil der Schimmel einfach fürchterlich ist. Er kam fingerdick aus der Wand heraus, bevor ich ihn mit Mundschutz abgeschabt habe. Leider ist die Küche kalt und feucht und ungemütlich. Ich kann mir gar nicht vorstellen, hier mal jemanden zum Essen einzuladen. Immerhin wird das Gelb sie etwas gemütlicher machen...

Richtig erkannt: Das Weiß wird im Wasserkocher angerührt,
das Gelb im einzigen Kochtopf


Beim Bad und der Toilette zeigt sich der nepalesische Standart von "sauber"...

Hier muss noch ordentlich Hand angelegt werden
Auch wenn das so nett nach Dusche aussieht: Das Wasser ist so kalt, dass man leider sofort stirbt, wenn man sich unter den Duschkopf stellt. Die rote Schüssel und etwas heiß gekochtes Wasser helfen weiter. An alle Warmduscher zu Hause: Ihr Glücklichen!!!

Das war nicht ich, das war schon so
Sobald ich Gummihandschuhe ausfindig gemacht habe, werde ich meine Chemiekeule benutzen und da mal ordentlich durchschrubben.


Mein Zimmer befindet sich im ersten Obergeschoss. Ich bin gerade mitten im Einrichten... Alle, die mich näher kennen, werden sofort sehen, dass ich hier endlich meine Obsession mit Kreisen ausleben kann:)

Gerade dabei, meine Fotowand zu kleben




Mein Bett, nepali style

Zwischen den Fenstern, die zur Straße zeigen, befindet sich eine kleine Nische für ram, Gott. Noch fehlt eine kleine Buddhastatue aus Lehm, aber das Bild füllt vorerst diese Lücke. Jeden Morgen zünde ich ein Licht (mit den geschenkten Dochten) und Räucherstäbchen an und bin dankbar, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin. 

Buddha

Es hat sich herausgestellt, dass es noch einen weiteren Vorteil gibt, in das Haus zu ziehen. Eine ehemalige Mitbewohnerin von mir, Imke aus Oldenburg, kommt nach Nepal und möchte gerne als Volontärin tätig sein. Kurzerhand habe ich ihr fürs Erste eine Stelle an meiner Schule organisiert und ihr ein Zimmer in meinem Haus angeboten. Noch weiss ich nicht, was für Pläne sie in Nepal haben wird, aber es ist immerhin ein erster Anlaufpunkt, ein Basislager sozusagen. Imke hat das Angebot angenommen und nun werden wir in Panauti die Oldenburger Delegation aufbauen - ich freu mich unglaublich auf sie!

Im selben Stockwerk ist noch ein zweites Zimmer. Hier habe ich für Imke zwischenzeitlich ein Bett vorbereitet und sobald sie da ist, wird sie es sich gemütlicher einrichten.



Die Tür auf dem Foto führt auf den Balkon, auf dem sich unser Wasservorrat und ein kleiner Garten befinden. Dank Situ wurde er mit Tulsi (Tee!), Lilien und anderen Blumen bereichert:)


Die Bohnen sind zum Bersten reif... yam yam yam!

Ein Stockwerk höher ist ein abgeschlossenes Zimmer, mein kleiner Lagerraum und ein weiteres großes Zimmer. Vielleicht werde ich dort Wäsche zum trocknen aufhängen? Also ich hatte ehrlich gesagt noch nie zuvor das Problem von zu viel Platz gehabt, eher umgekehrt. Ich freue  mich über Vorschläge!



Und dann gibt es noch ein Stockwerk, in dem zwei weitere abgeschlossene Zimmer sind (In denen Möbel und Mäusefutter.. äh Reissäcke gelagert sind). Dazwischen gibt es einen freien Raum. Hier träume ich von meinem Atelier. Mal sehen, ob ich die magische Grenze zur Realität beschreiten werde.


Ob es wohl eines Tages ein Atelier sein wird...?
Das ist mein kleiner großer Stolz und ich personalisiere es von Tag zu Tag. Situ hat schon Witze gemacht, dass ich es vielleicht kaufen sollte, wenn ich fertig bin.

Morgen Nachmittag holen Prasant, Subesh und ich Imke am Flughafen Kathmandu ab und bringen sie als Erstes nach Panauti... und dann werden wir sehen, wie sich alles entwickelt.

Es bleibt spannend :)

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen